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Rhein – Main EXTRA – TIPP

Thea Florea haut gerne drauf: Die Berufs-Schlagzeugerin ist mit eigener Jazzformation eine Exotin in der Szene. Im Gespräch mit dem EXTRA TIPP spricht sie über Bewährungsproben, Geschlechterklischees und blutende Finger. Von Rebekka Farnbacher

Region Rhein-Main – Wenn Thea Florea am Schlagzeug sitzt, ist sie in ihrem Element. „Das ist mein Lebensinhalt“, sagt die 39-Jährige. Ich habe das Glück, meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben.“ Für sie ist es nicht nur eine große Herausforderung, als Berufsmusikerin überleben zu können. Als Frau an den Drums, die außerdem noch Frontfrau einer Band ist, ist sie außerdem eine Exotin. „Es ist bestimmt kein gewöhnlicher Beruf, den ich ergriffen habe, vielmehr ist es sicher Berufung. Und dazu arbeite ich in einer Männerdomäne, in der es sich als Frau zu behaupten gilt.“ Oft habe sie Auftritte erlebt, bei denen sie kritisch beäugt wurde. „Es gibt Männer, die mich zuerst nicht für voll nehmen und sehr überheblich auftreten. Damit kann ich aber umgehen.“ Denn auch mit den Drums umgehen kann sie wie kaum eine Zweite im Rhein-Main-Gebiet. „Dass es so wenige Frauen in diesem Beruf gibt, ist für mich aber größtenteils ein Vorteil“, sagt die Dietzenbacherin, die in Frankfurt probt. „Dadurch falle ich einfach mehr auf.“ Seit einigen Jahren gebe es aber mehr und mehr Frauen in dem Beruf.

Das Instrument hat Florea in seinen Bann gezogen, als sie zwölf Jahre alt war und ihr Bruder begann, Schlagzeug zu spielen. Schnell sagte sie sich von Gitarre und Klavier los, nahm mit 14 Jahren Unterricht und steht auf der Bühne, seit sie 16 ist. Nach dem Abitur studierte sie Jazz-, Popularmusik und Klassik in Mainz und erhielt ein Stipendium am Berklee-Music-College in Boston. „Ich habe dort viel gelernt, das war eine wahnsinnig tolle Zeit!“ Heute spielt Florea, die übrigens wirklich so heißt, neben ihrer Jazzformation „Thea Florea Quartett“ in zahlreichen anderen Combos, komponiert und gibt Unterricht. Für die Zukunft wünscht sie sich, Kinder unterrichten zu können, die aus sozial schwächeren Familien stammen.

Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr: Täglich probt sie, Wochenenden kennt sie nicht, und wenn sie auf Tour geht, sieht sie ihren Freund manchmal über Wochen nicht. „Mit meinem Schlagzeug bin ich quasi verheiratet. Während meines Studiums hatte ich eine Phase, in der habe ich zehn Stunden am Tag geprobt. Nach der Prüfung haben meine Finger geblutet.“ Ähnlich wie das Klischee, dass Frauen am Schlagzeug nicht feminin aussehen, hält sich auch die Vorstellung, dass Berufsmusiker spät aufstehen, Alkohol trinken und Drogen nehmen. „Als Profi musst du exakt auf den Punkt spielen. Das kann ich nicht, wenn ich mich vor dem Auftritt besaufe.“ Verzicht ist ein Thema, mit dem Florea in ihrem durchgetakteten Leben oft zu kämpfen hat. Aber den Takt vorgeben, das liebt sie eben.

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